Interview

 

Im September 2015 führten wir vor Ort ein kleines Gespräch mit dem Schulpsychologen Mr. Nanyaro, der von Kimaros angestellt ist, um den Kindern zu helfen und sehr gute Arbeit leistet. Sein Gehalt wird durch time2help finanziert. Viel Spaß:

 
 
time2help: Sehr geehrter Herr Nanyaro, wie alt sind Sie und wie sah Ihr Werdegang aus?

Mr. Nanyaro: Ich bin jetzt 45 Jahre alt und habe vor einigen Jahren in Daressalam ein Studium als psychologischer Berater gemacht, wobei ich mich auf die Arbeit mit Kindern spezialisiert habe.

Dann arbeitete ich für zwei Nicht-Regierungs-Organisationen und kam 2005 in Kontakt mit Familie Kimaro. Vorerst sporadisch besuchte ich das LWCC und begann, die Kinder dort kennen und schätzen zu lernen. Fortan arbeitete ich also für Kimaros und war auch zunehmend in ihrer Yakini Primary School involviert.

Seit es die monatliche Unterstützung von Ihrem Verein für meine Arbeitsposition gibt, konnten Kimaros mich in Vollzeit beschäftigen und ich bin jetzt 5 Tage die Woche im LWCC und in Yakini, öfters auch am Wochenende.

t2h: Wie sieht Ihre Arbeit hier genau aus?

Mr. N.: An zwei Tagen in der Woche besuche ich das LWCC mit seinen knapp 40 Kindern. Dort arbeite ich mit denjenigen, die größere Probleme gehabt haben und schwerere Traumata aus ihrer Zeit vor dem Center mitbringen. Bedarf gibt es dafür leider genug. Manchmal ist auch Mama Kimaro mit vor Ort, da sie ein sehr gutes Verhältnis zu ihren Schützlingen hat und sehr an ihrem Wohlergehen interessiert ist. Sie hat durch ihre große Lebenserfahrung immer gute Ratschläge beizutragen.

Ich arbeite mit einem Leitfaden für die Kinderpsychologie aus meinem Studium und diversen Büchern, die extra für Kinder geschrieben wurden, um ihnen Mut zu machen und bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse zu helfen.
In den vertraulichen Gesprächen können die Kinder Vertrauen fassen und wir versuchen gemeinsam die Vergangenheit zu verarbeiten.

An den drei anderen Tagen bin ich in meinem Büro in der Yakini Schule, öfters auch an Wochenenden oder in den Ferien, wenn z.B. Veranstaltungen sind, oder es akuten Bedarf nach Beratung gibt.
Da Yakini mittlerweile sehr groß geworden ist, bin ich dort nicht nur für die Beratung der „LWCC-Kinder“ zuständig, sondern versuche auch, Streitigkeiten und Unstimmigkeiten zwischen Schülern untereinander, zwischen Schülern und Lehrern oder zwischen Schülern und Eltern (Bei den vielen „Nicht-LWCClern“ ***) zu schlichten.

Sie sehen, dieser Beruf hier ist wirklich mein Lebensinhalt geworden. Die Kinder und Mitarbeiter sind einfach großartig!

t2h: Wie helfen Sie den Kindern?

Mr. N.: Für mich ist es wichtig, individuell auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Darüber hinaus möchte ich allen Kindern, die zu mir kommen, wichtige Dinge mit auf den Weg geben, nämlich das Wissen über ihre eigenen „Kinder-Rechte“ (Children Rights). Dazu gehören das Recht auf Sicherheit, das Recht auf Unversehrtheit, das Recht auf Nahrung, Kleidung, Unterkunft und das Recht auf Bildung. Genauso müssen sie aber auch das Recht haben, dass auf sie gehört wird, ihre Meinung wertgeschätzt wird. Dafür setze ich mich ein und versuche den Kindern zu vermitteln, dass Sie diese Rechte besitzen und dafür eintreten müssen und dürfen!

Außerdem erkläre ich Ihnen, zu welchen Vertrauenspersonen sie gehen können (Polizei, Lehrer usw.) wenn diese Rechte missachtet werden. Oft wussten die Kinder dies vorher nicht und bekommen Mut, für sich selbst einzustehen.

Da viele Kinder ihre Eltern oder einen Elternteil verloren haben versuche ich auch, zusätzliche Daten des Kindes herauszufinden (Geburtstag, vollständigen Familiennamen, Infos über Verwandte, usw.), damit sie mehr über ihre Familien, ihr Leben, ihre Vergangenheit erfahren können.

t2h: Geht Ihnen dieser Beruf nicht auch sehr nah?

Mr. N.: In der Tat muss man manchmal sehr stark sein! Manche Schicksale sind grausam und lassen einen nachdenklich werden und an die Grenzen stoßen.
Das Positive und Wichtigste ist aber, dass die Kinder jetzt bei Kimaros in Sicherheit sind und dass wir alle uns um sie kümmern können.

Das oberste Gebot bei der Arbeit mit den Kindern ist natürlich Verschwiegenheit!
Was sie mit mir besprechen, bleibt vertraulich. Bei den „Nicht-LWCClern“ wiederum muss man sich genau überlegen, was man z.B. den Eltern bei einem Konflikt mitteilt und Neutralität wahren.

t2h: Vielen Dank für dieses Interview und die tolle Arbeit, die Sie hier leisten!

Mr. N.: Auch Ihnen vielen Dank für die Unterstützung des LWCC und der Yakini Schule. Ich bin sehr froh mit dieser Anstellung und man lernt hier jeden Tag dazu. Die Kinder sind sehr dankbar für die Hilfe bei ihren Problemen und ich bin wiederum sehr dankbar für die Hingabe, mit der Familie Kimaro den benachteiligten Kindern hilft. Auch die Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern und Lehrern ist sehr gut.
 

*** gemeint sind die vielen Internatsschüler und Schüler, die jeden Tag aus der Umgebung Arushas nach Yakini kommen und intakte Familien haben.